Hier findest du Lösungsvorschläge für das Material Reiselyrik. Bitte beachte:
- Bei vielen Aufgaben sind die Lösungen hier nur Vorschläge. Hast du eine andere Lösung als hier angegeben, kann sie auch richtig sein, wenn sie gut begründet ist.
- Es gibt nicht zu allen Aufgaben Lösungen: Ausgeschlossen sind individuelle Schreibaufgaben, kreative sowie persönliche Aufgaben wie Vorwissen oder Beobachtungen und Epochensteckbriefe.
- Die Lösungen für Suchsel und Kreuzworträtsel findest du direkt im Material.
Solltest du dir unsicher sein, frag deine Pädagog*innen.
Inhalt
- Moderne Reiselyrik – Darstellungen von New York in Sachtexten und lyrischen Texten untersuchen
- Das Leben als Reise – Sprachliche Bilder in Gedichten des Barock deuten
- Italien als Sehnsuchtsort in der Weimarer Klassik – Gedichte gliedern und ihre Struktur beschreiben
- Vom Wandern in Sommernächten – die Sprechsituation in der Reiselyrik der Romantik untersuchen
- Reisen im Zeitalter des technischen Fortschritts – Metrum und Klangfiguren untersuchen
Moderne Reiselyrik – Darstellungen von New York in Sachtexten und lyrischen Texten untersuchen
Aufgabe 2 – Zitat Udo Jürgens & Freiheit
★ Das Zitat verrät, dass der Sprecher sich nach einem Leben ohne Zwänge und Routine sehnt. Er hat New York (und die damit verbundene Freiheit) noch nicht erlebt – die Wiederholung von „Ich war noch niemals“ zeigt Bedauern über Verpasstes und eine tiefe Sehnsucht nach einem „anderen“, freieren Leben.
★★ Individuelle Antwort: Es wird ein plausibler eigener Bezug zu „Freiheit“ hergestellt und mit dem Zitat sinnvoll verglichen (z. B. Gemeinsamkeit: Freiheit als Kontrast zu Alltag/Pflichten).
★★★ New York steht historisch/symbolisch u. a. für: Einwanderung und den „amerikanischen Traum“ (Ellis Island, Freiheitsstatue als Symbol für Freiheit und Neuanfang), kulturelle Vielfalt, Aufbruch und Anonymität der Großstadt (man kann neu beginnen). Dieses Wissen vertieft die Lesart des Zitats: Es geht nicht nur um private Freiheit, sondern um einen kulturell aufgeladenen Sehnsuchtsort, an dem Neuanfang und Selbstverwirklichung möglich scheinen.
Aufgabe 3–5 – Vergleich M1 (Wikipedia), M2 (Reiseblog), M3 (Liedtext)
| Kriterium | M1 – Wikipedia | M2 – Reiseblog | M3 – Liedtext (Udo Jürgens) |
| Wer spricht? | kein Ich, unpersönlich | Ich-Erzähler (Reisender) | lyrisches Ich / Er-Figur |
| Sprachliche Merkmale | Fakten, Zahlen, Nominalstil, Passiv/neutral | Alltagssprache, chronologisch, subjektive Wertungen | Reim, Rhythmus, Refrain, Metaphorik, direkte Rede |
| Wirkung | sachlich, informativ | unterhaltsam, authentisch | emotional, sehnsuchtsvoll |
| Zweck | Wissen vermitteln | persönliche Erfahrung teilen/unterhalten | Gefühle künstlerisch ausdrücken |
| Textsorte/Gattung | Lexikonartikel (Sachtext) | Reisebericht/Blogeintrag (Sachtext/Gebrauchstext) | Songtext / Liedtext (literarischer Text) |
Fazit (Aufgabe 4): M1 und M2 sind Sachtexte (M1 rein informativ, M2 ein persönlich gefärbter Erlebnisbericht), M3 ist ein literarischer Text.
Allgemeine Merkmale (Aufgabe 5): Sachtexte sind sachlich, informativ, faktenbasiert und meist neutral in der Wortwahl; literarische Texte sind (oft) fiktional bzw. subjektiv, nutzen sprachliche Bilder und Stilmittel, sind mehrdeutig und verfolgen eine ästhetische/emotionale Wirkung statt reiner Informationsvermittlung.
Aufgabe 6–7 – Beobachtungen zu M3
Mögliche Beobachtungen: Kontrast zwischen der engen, spießigen Alltagswelt („Bohnerwachs und Spießigkeit“, neonhelles Treppenhaus) und der Weite der Sehnsuchtsorte (New York, Hawaii, San Francisco); der Refrain markiert den emotionalen Höhepunkt der Sehnsucht; am Ende kehrt die Figur unverrichteter Dinge nach Hause zurück – die Sehnsucht bleibt unerfüllt (Resignation/Alltagstrott siegt); die Rahmenhandlung (Zigaretten holen) und der Refrain (Traum von Freiheit) stehen in starkem Kontrast zueinander.
Aufgabe 8–9 – Balladenmerkmale
Merkmale einer Ballade: Lyrische Merkmale: Eine Ballade ist in Abschnitte (Strophen) und Zeilen (Verse) gegliedert. Der Text ist oft sehr bildhaft und nutzt rhetorische Mittel wie Metaphern oder Personifikationen. Epische Merkmale: Es wird eine spannende, oft schicksalhafte oder geheimnisvolle Geschichte erzählt. Das Geschehen wird von einem Erzähler (meist aus der Er-/Sie-Perspektive und im Präteritum) vermittelt. Die Handlung setzt meist abrupt ein und steuert auf einen Höhepunkt oder eine überraschende Wendung zu. Dramatische Merkmale: Die Figuren interagieren miteinander durch Dialoge oder Monologe.
Prüfung an M3: Es gibt einen kleinen Handlungsrahmen (er geht scheinbar Zigaretten holen, denkt über einen Aufbruch nach, kehrt zurück), direkte Rede („Lass mich noch eben Zigaretten holen geh’n“) und eine Strophenform mit Refrain – balladeske Züge sind also vorhanden. Es fehlt jedoch ein dramatischer Wendepunkt bzw. ein tatsächliches Ereignis: Die „Handlung“ bleibt ein innerer Gedanke, der nicht ausgeführt wird. Fazit: M3 zeigt balladenhafte Elemente, ist aber im Kern ein (episch gefärbter) Liedtext / Popsong und keine klassische Ballade, da das für Balladen typische dramatische Geschehen fehlt.
Das Leben als Reise – Sprachliche Bilder in Gedichten des Barock deuten
Aufgabe 2 – Deutung des Zitats (Greiffenberg)
Der „Hafen“, an den Gott das lyrische Ich bringen soll, steht für die ersehnte Ruhe nach den Stürmen/Mühen des Lebens – im barocken Kontext meist gedeutet als der Tod bzw. das ewige Leben bei Gott, das dem irdischen Leiden ein Ende setzt („es ist genug!“ als Ausdruck von Erschöpfung und Sehnsucht nach Erlösung).
Aufgabe 3–4 – Deutungshypothesen zum Gedicht M1
Am plausibelsten und am besten belegbar ist Hypothese a) – die Hinwendung des lyrischen Ichs zu Gott mit der Bitte um Erlösung durch den Tod. Die gesamte Schiffsreise ist eine durchgehende Metapher (Allegorie) für das Leben; die direkte Anrede „mein Gott“ (V. 14) sowie „Hort“ und „mittel punct“ (Gott als fester Bezugspunkt, V. 2–3) und der ersehnte „Ruhe-volle Port“ (V. 7, Hafen = Jenseits) stützen diese Deutung.
Hypothese b) beschreibt zunächst die wörtliche/bildliche Ebene (eine gefährliche Schiffsreise), trifft aber nicht den eigentlichen, übertragenen Sinn des Gedichts. Hypothese c) lässt sich am Text nicht belegen, da kein Hinweis auf einen geliebten Menschen als Bezugsperson vorliegt – die Anrede gilt eindeutig Gott.
Aufgabe 6 – Wortfeld Meer/Schifffahrt & Vertiefungen
Wortfeld im Gedicht: Wirbelstrom, Wellen, Zirkel/Stern (Navigation), Zünglein (Kompassnadel), Port/Hafen, See, Muht/Mast, Ruder-Knecht, Wind, Glaubens-Segel, Zufahrt.
★ Beispiele: „Mast“ – wörtlich: Teil des Schiffes; übertragen: Halt/Stütze im Leben, die bedroht ist; Metapher. „Glaubens-Segel“ – wörtlich: Segel, das den Wind auffängt; übertragen: der Glaube als Antrieb im Leben; Metapher. „Hafen/Port“ – wörtlich: Anlegestelle; übertragen: der Tod bzw. die Ewigkeit bei Gott; Metapher/Symbol.
★★ Die gehäufte Meeres- und Schiffsmetaphorik erzeugt zunächst eine bedrohliche, unruhige Stimmung (Sturm, Trümmer, orientierungslose Ruder-Knechte), die im letzten Vers in eine hoffnungsvolle, flehende Stimmung umschlägt (Bitte um Ankunft im Hafen). Die Stimmung entwickelt sich also von Angst/Verzweiflung zu Sehnsucht nach Erlösung.
★★★ Dieses durchgehende Bild wird als Allegorie bezeichnet: eine Metapher, die über den ganzen Text fortgeführt wird.
Aufgabe 7 – Tabelle: Antithesen in M1
| Strophe | Leben im Jetzt = beschwerliche Schiffsreise | Glaube an Gott/Jenseits = Hafen |
| Strophe 1 | „Wirbelstrom“, „Angst und Plagen“, „Sturm“ → das Leben als reißende, bedrohliche Strömung | „Hort“, „mittel punct“ → Gott als fester, schützender Mittelpunkt |
| Strophe 2 | „von Wellen fort getragen“, „muß ich mich keck in weh und See hinwagen“ → gefahrvolle, ungewisse Fahrt | „auf meinen Stern gericht“, „Ruhe-vollen Port“ → Orientierung und ersehnte Ruhe bei Gott |
| Strophe 3 | „zu tausend trümmern springen“, Ruder-Knechte ohne Orientierung, „keinen Wind in glaubens-Segel“ → Glaubenszweifel, Kontrollverlust | (nur indirekt) fehlender Glaubenswind verweist negativ auf die nötige Gottesnähe |
| Strophe 4 | „keinen fug“, Winde treiben „auf andre zufahrt“ → Ohnmacht, Fremdbestimmung | „bring‘ an den Hafen mich / mein Gott / es ist genug!“ → Bitte um Erlösung/Ankommen bei Gott |
Historischer/fachlicher Hintergrund: Vanitas = die Vergänglichkeit alles Irdischen; Memento mori = „Gedenke des Todes“; Carpe diem = „Nutze den Tag“. Der Glaube ist in der Barockdichtung zentral – er ist oft der einzige Halt in einer von Krieg (Dreißigjähriger Krieg), Seuchen und Vergänglichkeit geprägten Zeit. Sprachlich/formal typisch für die Barocklyrik: Antithesen, gehäufte Metaphorik/Allegorien, Sonettform, Alexandriner, gelehrte, oft schwülstige Sprache.
Italien als Sehnsuchtsort in der Weimarer Klassik – Gedichte gliedern und ihre Struktur beschreiben
Aufgabe 3 – Teilüberschriften
- Strophe 1: Sehnsucht nach dem Land (Italien als Naturparadies)
- Strophe 2: Sehnsucht nach dem Haus (Kindheit, Herkunft, Geborgenheit)
- Strophe 3: Sehnsucht nach dem Berg (gefährlicher Weg, Aufbruch)
Aufgabe 4 – Inhaltliche Zusammenfassung
Strophe 1: Mignon beschreibt sehnsüchtig das südliche Land ihrer Kindheit mit Zitronen, Orangen und mildem Klima und möchte mit dem Geliebten dorthin ziehen. Strophe 2: Sie erinnert sich an ein prächtiges Haus mit Marmorbildern, die sie fragend ansehen, was ihr angetan wurde, und möchte mit ihrem Beschützer dorthin ziehen. Strophe 3: Sie beschreibt einen gefährlichen Gebirgsweg mit Drachen und stürzenden Felsen und fordert den Vater auf, mit ihr diesen Weg zu gehen.
Aufgabe 5 – Aufbau des Gedichts
Das Gedicht besteht aus drei Strophen mit je sieben Versen. Die Verse „Kennst du … wohl?“ und „Dahin! dahin“ wiederholen sich in jeder Strophe wortgleich (Kehrreim); der jeweils letzte Vers ähnelt sich im Bau („Möcht ich mit dir, o mein …, ziehn!“ bzw. „Geht unser Weg! O Vater, lass uns ziehn!“), variiert aber die angesprochene Bezugsperson (Geliebter – Beschützer – Vater), was eine Steigerung andeutet.
Reimschema der 1. Strophe: Verse 1–4 bilden einen Paarreim (AABB: blühn/glühn – weht/steht); es folgt der freie, ungereimte Vers „Kennst du es wohl?“, der Kehrreim „Dahin! dahin“ und der abschließende, wieder eigenständig reimende Schlussvers.
★ Die Wiederholungen betonen die immer gleiche, unstillbare Sehnsucht des lyrischen Ichs und erzeugen einen beschwörenden, liedhaften Charakter; die Steigerung der Anrede (Geliebter → Beschützer → Vater) verstärkt die Dringlichkeit von Strophe zu Strophe.
★★ „Formstrenge“ bedeutet ein regelmäßiges, symmetrisches Versmaß und einen klaren, ausgewogenen Strophenbau. Im Gedicht zeigt sich das im gleichbleibenden Reimschema, der gleichen Strophenlänge und dem wiederkehrenden Kehrreim – die Form wirkt geordnet und maßvoll, obwohl der Inhalt von starker, unruhiger Sehnsucht handelt.
Aufgabe 6 – Zusammenhang von Inhalt und Form
Die klare, symmetrische, sich wiederholende Form steht im Kontrast zur unruhigen, ungestillten Sehnsucht des Inhalts. Typisch für die Klassik: Die starke Emotion wird durch eine geordnete, „gebändigte“ Form ausgedrückt – Maß und Ausgewogenheit auch bei existenziellen, gefühlsbetonten Themen.
Aufgabe 7–8 – M2/M3: Goethes Italienreise
Goethe beschreibt in seinem Brief das milde Klima, die immergrünen Gärten und die überreich tragenden Zitronen- und Orangenbäume – ein begeistertes, sinnliches Bild Italiens im Kontrast zum nordischen Winter. Das Gemälde (M2) zeigt Goethe entspannt und selbstbewusst inmitten antiker Ruinen der römischen Campagna – es vermittelt einen gebildeten Reisenden im Einklang mit der Antike, gelassen und genussvoll.
★ Italien war für viele Deutsche im 18./frühen 19. Jahrhundert ein Sehnsuchtsort, weil es milderes Klima, südliche Lebensfreude sowie die als vorbildhaft geltende antike Kultur (Kunst, Architektur, Philosophie) bot – ein zentrales Bildungsziel der „Grand Tour“.
★★ Als realer Reisender erlebt Goethe Italien konkret-sinnlich (Klima, Essen, Landschaft, Alltag). Als Dichter wird Italien zum idealisierten Sehnsuchtsort – einem symbolischen Land der Kindheit, Geborgenheit und Vollkommenheit (im Gedicht: Herkunftsland Mignons). Der Unterschied liegt zwischen konkretem Erlebnis und poetischer Überhöhung/Symbolik.
★★★ M1 und M3 beschreiben nicht dasselbe Italien: Beide erwähnen zwar ein mildes Klima und Zitrusfrüchte, doch M1 (Gedicht) idealisiert und mystifiziert das Land (Marmorbilder, Drachenhöhlen, gefährliche Berge – überhöhte, symbolische Bilder), während M3 (Brief) konkret-alltäglich bleibt (Wetterbeschreibung, Gartenpflege, Trinkgeld). Textbelege: M1 „In Höhlen wohnt der Drachen alte Brut“ (V. 17) vs. M3 „Man merkt den Winter nicht … die Sonne scheint hell und warm“.
Aufgabe 9–10 – Epochenvergleich & Merkmale der Klassik
Grundlegende Unterschiede der Epochen: Die Aufklärung betont Vernunft und Erziehung, der Sturm und Drang Gefühl und Rebellion gegen gesellschaftliche Zwänge, die Klassik Maß, Harmonie und Formstrenge (mit dem Ideal der Antike), die Romantik Sehnsucht, Zerrissenheit und das Unfassbare/Geheimnisvolle.
Nachweis der Klassik-Merkmale in M1: regelmäßige, symmetrische Strophenform, klares Reimschema, ausgewogener Rhythmus, sowie die für die Klassik typische Sehnsucht nach einem (antiken/südlichen) Ideal, die formal jedoch geordnet und „gebändigt“ dargestellt wird statt ungezügelt auszubrechen.
Vom Wandern in Sommernächten – die Sprechsituation in der Reiselyrik der Romantik untersuchen
Aufgabe 1 – Typische Motive der Romantik (Rechercheergebnis)
Erwartbare Motive: Wandern/Wanderschaft, Sehnsucht und Fernweh, Mondschein und Nacht, Naturverbundenheit/Naturmystik, Musik (Posthorn, Volkslied), Märchenhaftes und Geheimnisvolles, das Unendliche/Unerreichbare, Reisen als innere statt reale Bewegung.
Übertragen auf das Zitat aus „Mondnacht“: Zu erwarten sind u. a. Nacht/Mondschein, Sehnsucht sowie die enge Verbindung von Seele und Natur (Natur als Spiegel der inneren Empfindung).
Aufgabe 4 – Sprechsituation in M1 (Eichendorff: Sehnsucht)
| Kategorie | Befund am Text |
| Wer spricht? | ein lyrisches Ich, erkennbar an Pronomen wie „ich“ (V. 2, 6) und „mir“ (V. 6) |
| Wo befindet es sich? | einsam am Fenster stehend (V. 2), beobachtet die Welt von innen/außen |
| Zu wem spricht es? | es richtet sich an niemand direkt – eher ein inneres Selbstgespräch bzw. Bekenntnis |
| Worüber spricht es? | über die durch Posthorn und Gesang der wandernden Gesellen ausgelöste Sehnsucht nach Reise und Ferne |
| In welcher Stimmung? | sehnsüchtig, schwärmerisch-entrückt, mit steigernder Intensität bis zur „prächtigen Sommernacht“ |
Aufgabe 7 – Vertiefungsaufgaben
★ Das Posthorn ist in der Romantik ein bekanntes Symbol für Fernweh und Aufbruch: Es kündigt Ankunft und Abreise der Postkutschen an und verbindet den Ort des lyrischen Ichs akustisch mit der weiten, unbekannten Ferne. Im Gedicht ist es der auslösende Reiz für die aufkeimende Sehnsucht, ohne dass das Ich selbst reist.
★★ Dass das Ziel der Reise nie benannt wird, ist typisch für die Romantik: Es geht nicht um ein konkretes, erreichbares Reiseziel, sondern um die Sehnsucht selbst als Lebensgefühl – ein für die Romantik zentrales Motiv der „unendlichen“, letztlich unstillbaren Sehnsucht nach dem Fernen/Unbekannten.
★★★ Vergleich mit Goethes Mignon: Gemeinsam sind beiden Gedichten die Sehnsucht nach der Ferne, Naturbilder sowie eine wiederkehrende Kehrreim-Struktur. Unterschied: Mignon nennt ein konkretes Ziel (Italien, das Land der Kindheit) und konkrete Bezugspersonen (Geliebter, Beschützer, Vater) in einer streng geordneten Form (Klassik); das lyrische Ich bei Eichendorff bleibt passiv-beobachtend am Fenster, das Ziel bleibt unbestimmt, die Sehnsucht ungerichtet und ungestillt (typisch Romantik statt zielgerichteter Klassik).
Nachweis der Romantik-Merkmale in M1 (zweite Aufgabe 7): Nachtstimmung und Sommernacht-Motiv, Wandermotiv (die singenden Gesellen), unbestimmte Ferne/Sehnsucht, Musik (Posthorn, Lautenklang), enge Verbindung von Innenwelt und Natur sowie märchenhaft-verklärte Bilder (Marmorbilder, verwilderte Gärten, Paläste im Mondschein).
Reisen im Zeitalter des technischen Fortschritts – Metrum und Klangfiguren untersuchen
Aufgabe 2 – Zitat Kästner
Das Zitat zeigt eine bereits vertraute, fast gelangweilt-genüssliche Haltung zum Autofahren als Familienausflug in den 1930er Jahren – die Landschaft wird bewundert, das Reisen ist jedoch schon Alltag, nicht mehr aufregend-neu. Eine Reise im Jahr 1848 wäre dagegen ungleich beschwerlicher, langsamer (Kutsche/erste Eisenbahnen) und mit deutlich mehr Aufregung/Unsicherheit verbunden gewesen.
Aufgabe 4 – Lautmalerei, Anaphern, Alliterationen in M1
- Lautmalerei: „Rascher“, „Sausend“, „Brausend“, „Donnernd“, „Blitzend“ (V. 1–6) – die Partizipien ahmen durch Zischlaute und harte Konsonanten das Geräusch und die Wucht der Fahrt nach.
- Anapher: der wiederholte Versbeginn „Durch der …“ (V. 7, 8, 9, 11, 12) betont die Fülle der vorbeirasenden Landschaften/Eindrücke.
- Alliteration: z. B. „Sausend zieh’n“ (V. 14), „Stürmisch … so“ (V. 16), „Siegend“ (V. 18) – unterstreicht Klang und Tempo der Bewegung.
Aufgabe 5 – Metrum der ersten beiden Verse (M1)
„Rascher Blitz, der hin mich trägt“ / „Pfeilschnell, von der Gluth bewegt“: Beide Verse lassen sich als durchgehender vierhebiger Trochäus lesen (Betonungsmuster + – + – + – +), mit betonten Silben auf „Ra-“, „Blitz“, „hin“ und „trägt“. Der treibende, gleichmäßig-schnelle Trochäus-Rhythmus ahmt das rasche, stoßweise Vorwärtsdrängen der Eisenbahn nach.
Aufgabe 7 – Metrum der ersten Strophe M2 (Kästner)
Auch bei Kästner liegt ein regelmäßiges, überwiegend trochäisches bzw. jambisch-trochäisches Muster vor, das jedoch deutlich ruhiger und gleichmäßiger wirkt als bei Ploennies: durch den erzählenden, gereimten Plauderton (Paarreim, alltägliche Wortwahl) entsteht ein gemütlicher statt hektischer Grundrhythmus.
Aufgabe 8 – Vergleich: Metrum und Reiseerlebnis
Ploennies (M1) reiht kurze, betonungsreiche Partizipialkonstruktionen aneinander (rasch, sausend, brausend, donnernd, blitzend) – der gedrängte, treibende Rhythmus vermittelt die als aufregend und rasant empfundene neue Technik der Eisenbahn. Kästner (M2) erzählt in ruhigerem, humorvoll-gemütlichem Ton mit Paarreimen – passend zur bereits alltäglich gewordenen, entspannten Autofahrt der Familie.
Aufgabe Bonus★★★ – Wendepunkt in M1 ab Vers 13
Ab Vers 13 wird die Eisenbahn zur Metapher für das „freie Wort“ – also für Meinungs- und Pressefreiheit, die sich (wie ein Zug) ungehindert und rasend schnell verbreiten soll („Sausend zieh’n von Ort zu Ort“, „Siegend die Gedanken wandern“). Die Sprecherin nutzt die Eisenbahn als Bild für etwas anderes, weil 1848 (Revolutionsjahr des Vormärz) die Forderung nach freier Meinungsäußerung und Pressefreiheit ein zentrales politisches Anliegen war; die neue, grenzüberschreitende und schnelle Eisenbahntechnik bot sich als Sinnbild für die ersehnte rasche, ungehinderte Verbreitung freier Gedanken an.
