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Methodenbox: Wissenschaftliches Arbeiten

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Lesestrategien

Bevor du einen Text liest, überlege dir, was dein leseziel ist. Je nachdem lohnt sich eine andere Strategie. Diese Übersicht hilft dir, die passende Strategie zu finden und Schritt für Schritt anzuwenden.

Wenn das dein Leseziel ist …… passt diese Strategie
Ich will wissen, ob der Text für meine Aufgabe überhaupt geeignet ist.Orientierendes Lesen unter „Sich einen Überblick verschaffen“
Ich muss in einem langen oder digitalen Text schnell zu einer bestimmten Stelle springen.Navigierendes Lesen unter „Sich einen Überblick verschaffen“
Ich vergleiche zwei oder mehr Texte zum gleichen Thema.Vergleichendes Lesen unter „Sich einen Überblick verschaffen“
Ich suche eine einzelne Information, ein Datum, ein Zitat oder einen Beleg.Selektives Lesen / Scanning unter „Gezielt einzelne Informationen suchen“
Ich will Argumente für eine Position finden oder den Text grob einordnen.Diagonales Lesen / Querlesen unter „Gezielt einzelne Informationen suchen“
Ich will in kurzer Zeit erfassen, worum es im Text überhaupt geht.Skimming unter „Den Text gründlich verstehen und auswerten“
Ich muss den ganzen Text verstehen und die Gesamtaussage zusammenfassen.Kursorisches Lesen unter „Den Text gründlich verstehen und auswerten“
Ich soll den Text genau analysieren, interpretieren oder eine Deutung überprüfen.Intensives Lesen unter „Den Text gründlich verstehen und auswerten“
Ich soll Sprache und Stil untersuchen oder den Text vortragen.Formzentriertes Lesen unter „Den Text gründlich verstehen und auswerten“
Ich muss einen langen, anspruchsvollen Text systematisch für eine Klausur, ein Referat o. Ä. durcharbeiten.Elaboriertes Lesen (SQ3R) unter „Systematisch in mehreren Schritten vorgehen“

LesezielStrategieSchritt-für-Schritt-Vorgehen
Einen ersten Überblick gewinnen; prüfen, ob der Text für eine Aufgabe brauchbar ist; die weitere Auswertung planen; Erwartungen an den Text bilden.Orientierendes Lesen1. Titel, Untertitel und Klappentext bzw. Vorwort lesen.
2. Inhaltsverzeichnis oder Überschriften überfliegen.
3. Informationen zu Autor/in und Entstehungskontext sammeln (z. B. Erscheinungsjahr, Textsorte).
4. Erste Vermutungen zu Thema und Inhalt notieren.
5. Entscheiden: Ist der Text geeignet? Wie gehe ich weiter vor?
Gezielt zu bestimmten Abschnitten gelangen; den Aufbau eines Textes erschließen; Hintergründe klären.Navigierendes Lesen1. Inhaltsverzeichnis, Register, Überschriften oder Links sichten.
2. Anhand der Überschriften die relevanten Abschnitte auswählen.
3. Direkt zu den ausgewählten Stellen springen.
4. Diese Passagen gezielt lesen.
5. Bei Bedarf zu weiteren verlinkten oder verwandten Abschnitten weiterspringen.
Die eigene Textwahrnehmung schärfen; einen Text in ein Diskursfeld einordnen; Glaubwürdigkeit prüfen; einen Textvergleich erarbeiten.Vergleichendes Lesen1. Einen passenden zweiten, vergleichbaren Text auswählen.
2. Beide Texte zunächst einzeln erschließen (z. B. mit orientierendem oder kursorischem Lesen).
3. Vergleichskategorien festlegen (z. B. Thema, Position, Textsorte, Argumentation, Sprache).
4. Beide Texte anhand dieser Kategorien nebeneinander auswerten und Gemeinsamkeiten/Unterschiede markieren.
5. Ergebnisse strukturiert festhalten (z. B. Tabelle) und eine Schlussfolgerung formulieren.

LesezielStrategieSchritt-für-Schritt-Vorgehen
Eine einzelne Information für eine Aufgabe gewinnen; eine Belegstelle für eine Aussage finden.Selektives Lesen (Scanning)1. Genau festlegen, wonach gesucht wird (Begriff, Zahl, Name, Zitat).
2. Den Text zügig mit den Augen überfliegen, dabei nur auf das gesuchte Merkmal achten.
3. Beim Auftauchen des Suchbegriffs stoppen.
4. Den umgebenden Satz bzw. Abschnitt genau lesen.
5. Die Fundstelle markieren oder notieren (Seite, Zeile).
Argumente für eine Position finden; einen Text in ein thematisches oder historisches Diskursfeld einordnen; eine Figur charakterisieren.Diagonales Lesen (Querlesen)1. Den Text zügig überfliegen und dabei auf Schlüsselbegriffe sowie Anfänge von Absätzen achten.
2. Passagen markieren, die relevant erscheinen.
3. Diese markierten Passagen anschließend intensiver lesen.
4. Informationen und Argumente aus den vertieft gelesenen Stellen zusammenstellen.

LesezielStrategieSchritt-für-Schritt-Vorgehen
Einen ersten Zugang zum Text gewinnen, bevor ein genaueres Verständnis erarbeitet wird.Skimming1. Überschrift, Layout und Textsorte betrachten.
2. Schlüsselbegriffe im Text identifizieren.
3. Leitfragen stellen: Worum geht es? Was verraten Überschrift und Layout? In welchem Kontext steht der Text?
4. Einen ersten groben Eindruck vom Thema festhalten.
5. Entscheiden, welche vertiefende Strategie als Nächstes sinnvoll ist.
Die Gesamtaussage eines Textes erfassen.Kursorisches Lesen1. Den Text vollständig und zügig von Anfang bis Ende lesen.
2. Wichtige Stellen im Lesefluss markieren oder unterstreichen.
3. Bei Unklarheiten kurz innehalten, aber nicht jedes Detail sofort klären.
4. Nach dem Lesen die zentrale Aussage in eigenen Worten zusammenfassen.
5. Bei Bedarf einzelne Passagen noch einmal lesen.
Einen Text sehr genau durchdringen, z. B. für eine Inhaltsangabe, szenische Umsetzung, Sachtextanalyse, Rezension oder um eine Deutungshypothese zu überprüfen.Intensives Lesen1. Den Text abschnittsweise langsam und genau lesen.
2. Unbekannte Begriffe und unklare Textstellen klären.
3. Wichtige Textstellen mehrfach lesen und genau prüfen.
4. Notizen bzw. Randbemerkungen zu Inhalt, Aufbau und Auffälligkeiten anfertigen.
5. Einzelbeobachtungen zu einem Gesamtverständnis zusammenführen.
6. Eine Deutungshypothese formulieren und am Text überprüfen.
Sprachliche und formale Mittel erfassen, z. B. für einen Textvortrag, eine Sachtextanalyse, eine Interpretation oder die Nachahmung eines Stils.Formzentriertes Lesen1. Den Text lesen und dabei gezielt auf Sprache und Form achten (Satzbau, Wortwahl, rhetorische Mittel, Klang, Rhythmus).
2. Auffällige sprachliche und formale Mittel markieren.
3. Die Wirkung der einzelnen Mittel notieren.
4. Den Zusammenhang zwischen Form, Inhalt und Wirkung herstellen.
5. Die Beobachtungen für die Aufgabe nutzen (z. B. beim Vortrag betonen, bei der Analyse benennen und deuten).

LesezielStrategieSchritt-für-Schritt-Vorgehen
Einen langen oder anspruchsvollen Text systematisch und nachhaltig erarbeiten, z. B. zur Klausur- oder Referatsvorbereitung.Elaboriertes Lesen – SQ3R / Fünf-Schritt-Lesemethode1. Survey (Überblick): Text überfliegen; Überschriften, Aufbau, Stichwörter, Inhaltsverzeichnis und Paratexte sichten; eine erste Vorstellung vom Text entwickeln.
2. Question (Fragen): Konkrete Fragen zu den einzelnen Abschnitten des Textes formulieren.
3. Read (Lesen): Den Text abschnittsweise genau lesen, die eigenen Fragen im Blick behalten, Verständnisschwierigkeiten klären.
4. Recite (Wiedergeben): Nach jedem Abschnitt den Inhalt aus dem Gedächtnis rekapitulieren und die eigenen Fragen schriftlich beantworten.
5. Review (Rückblick): Den Text abschließend in einen Gesamtzusammenhang einordnen und die Ergebnisse anwenden bzw. zusammenfassen.

Methoden der Informationsaufbereitung

Allgemeiner Inhaltsauszug: Konspekt

Beim Konspekt geht es darum, den gesamten Inhalt eines gelesenen Textes in stark gekürzter Form schriftlich zusammenzufassen. Dieses Verfahren empfiehlt sich besonders in der ersten Einlesephase, in der es noch um die Beschaffung grundlegender Informationen geht. Die Notizen zum Inhalt müssen so knapp wie möglich gehalten werden (am besten in Stichpunkten). Wörtlich übernehmt ihr lediglich kurze Passagen mit besonders hohem Informationsgehalt (z.B. Definitionen, Fachbegriffe, Wertungen).

Mögliche Methoden zur Anfertigung eines Konspekts sind:

  • Verlaufsdiagramm: chronologische Reihenfolge, um Ablauf eines Geschehnisses zu verdeutlichen
  • Tabellenform: Themenbereiche einzeln betrachten nach verschiedenen Kriterien z.B. These, Ursache, Beleg
  • Grafischer Konspekt: Informationen in verschiedenen Textfeldern mit Verwendung grafischer Zeichen
  • Textform: Zusammenfassung des gelesenen Texte mit eigenen Gedanken, Überlegungen, Fragen ergänzen
  • Strukturdiagramm: gedankliche Bezüge erkennbar machen, Pfeile leiten zu nächsten Überlegungen

Spezieller Inhaltauszug: Exzerpt

Exzerpieren heißt, Auszüge aus Quellen und Darstellungen nach bestimmten Gesichtspunkten anzufertigen. Beim Durcharbeiten von Literatur wird nur das herausgeschrieben, was Antwort auf eine gestellte Frage, ein gezieltes Interesse gibt. Darin liegt der wesentliche Unterschied zum Konspekt. Die Informationen, die nicht bei der Beantwortung einer Fragestellung helfen, werden ausgelassen. Dazu wird der Wortlaut aus der Literatur übernommen oder Aussagen paraphrasiert und direkt mit einer Quellenangabe versehen.

So könnte eine Vorlage dafür aussehen:

Thema
Bibliografische Angaben
Anmerkungen
S./ AbsatzThemaZusammenfassung, Aussagen, ZitateEigene Notizen
 

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